Die Stiftung konzentriert sich mit ihrer Hilfe auf besonders benachteiligte Gruppen. Der Anteil hilfesuchender Frauen bei der Stiftung liegt bei 37 Prozent. Laut Robert Koch Institut machen bundesweit HIV-positive Frauen nur 18 Prozent aller HIV-positiven Menschen aus. Der hohe Frauenanteil bei den Anfragen an die Stiftung verweist auf die besonders schwierige soziale Situation HIV-positiver Frauen, die oft noch durch die Sorge um den Unterhalt ihrer Kinder verschärft wird. Von den 1.338 Frauen, die die Stiftung 2008 um Hilfe baten, waren 439 alleinerziehende Mütter. Nur sechs Prozent der Alleinerziehenden sind Männer. Die Stiftung half allen alleinerziehenden Betroffenen und deren Kindern mit 111.111 Euro.
Insgesamt unterstützte die AIDS-Stiftung im Jahr 2008 1.272 Kinder – unabhängig vom eigenen Immunstatus – im Zusammenhang mit Anträgen von Erwachsenen. Die Zahl HIV-positiver Kinder in Not lag 2008 bei 88 Kindern unter 15 Jahre.
Die Deutsche AIDS-Stiftung hilft allen betroffenen Menschen in Not, die dauerhaft in Deutschland leben. Dass das Virus auch Einwanderer betrifft, bemerkt die Stiftung an den in individuellen Hilfsanfragen und bei geförderten Hilfsprojekten genannten Herkunftsländern. Die Hilfesuchenden stammen aus mehr als 120 Ländern, auch wenn viele bereits in Deutschland ihre Heimat gefunden haben.
Dank des medizinischen Fortschritts stieg die Überlebenszeit betroffener Menschen seit Mitte der 90er Jahre. Durch die längere Überlebenszeit leben viele der Betroffenen nun auch länger in Armut. Bei der AIDS-Stiftung hat sich der Anteil der Hilfesuchenden zwischen 50 und 59 Jahren seit 1999 auf 13 Prozent mehr als verdoppelt. Trotz der neuen Therapien fordern das Virus und die Medikamente ihren Preis. Die körperlichen und geistigen Fähigkeiten und damit auch die Arbeitsfähigkeit nehmen stark ab. Die AIDS-Stiftung unterstützt daher auch verstärkt Hilfsprojekte mit einem Betreuungsangebot für diesen Personenkreis.
Bei HIV und AIDS ist die materielle Not der Betroffenen besonders ausgeprägt. Dies hat vor allem mit dem Alter – oder besser gesagt mit der Jugend – der Menschen zu tun, die an AIDS erkranken. Die Mehrzahl der HIV-positiven Menschen sind zum Zeitpunkt der AIDS-Diagnose jünger als 40 Jahre.
Die frühen Lebensjahre, in denen die Infektion erfolgt, verweisen auf ein sozialpolitisches Problem. Denn nur wer lange genug sozialversicherungspflichtig beschäftigt war, kann in der Regel aus eigenen Anstrengungen heraus ausreichende materielle Sicherheit erreichen oder durch die Sozialversicherung abgesichert sein.
Es wundert daher nicht, dass 77,4 Prozent der bei der Stiftung Hilfesuchenden ihren Lebensunterhalt durch staatliche Hilfsleistungen (Sozialhilfe/Grundsicherung, Arbeitslosengeld II oder Wohngeld) bestreiten mussten. 38 Prozent der Antragsteller/innen bezogen Arbeitslosengeld II, waren also bedingt erwerbsfähig. Rund 29 Prozent alle Anfragenden erhielten Grundsicherung bzw. Sozialhilfe und waren somit nicht mehr erwerbsfähig.
Die Gesundheitsreform, das Hartz IV-Gesetz und dessen Folgegesetze haben auf die Bezieher von Arbeitslosengeld II und Grundsicherung negative Auswirkungen. Die Einschränkungen staatlicher Hilfsleistungen spürt die AIDS-Stiftung durch höhere Aufwendungen im Bereich der Einzelhilfe.
Seit dem 1. April 2004 gibt es bei gesetzlich Versicherten Sehhilfen über die Krankenkassen nur für Personen bis zum 18. Lebensjahr oder bei schweren Sehbehinderungen. Gleiches gilt für Hörgeräte. Bei der Mehrzahl der HIV-positiven Menschen liegen die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Kostenübernahme nicht vor. Ihr niedriges Einkommen reicht jedoch nicht aus, die Kosten für Brillen und Hörgeräte zu tragen. Immer mehr Betroffene wenden sich mit der Bitte um Hilfe an die AIDS-Stiftung. Heute zahlt die Deutsche AIDS-Stiftung für Seh- und Hörhilfen dreimal soviel Hilfsgelder aus, wie vor fünf Jahren.
Zum 1. Januar 2005 verabschiedete der Staat sich von der bedarfsorientierten Nothilfe. Bis dahin erhielten Grundsicherungs- und Sozialhilfe-Bezieher im Notfall eine einmalige Beihilfe. Zum Beispiel beim Ausfall eines Kühlschranks oder zum Ersatz von Kleidung. Nach der Anhebung der Regelsätze um 15 Prozent wurden die Berechtigten aufgefordert, für Notfälle Geld anzusparen. Dies ist aber bei den niedrigen Regelsätzen gerade für infizierte und aidskranke Menschen nach Erfahrung der Stiftung nicht möglich.