
1987 haben Sie die Deutsche AIDS-Stiftung „Positiv leben“ gegründet und ihr Privatvermögen eingebracht. Warum haben Sie sich zur „Investition“ in eine Stiftung entschieden?
Seit Ende 1984 habe ich mich mit dem Thema AIDS befasst. Ich lebte damals in Köln und hatte durch Freunde erfahren, wie in den USA mit dem Thema AIDS umgegangen wird.
Wir fürchteten, dass es ähnlich homophobe Reaktionen auch in Deutschland geben würde, wenn die ersten Menschen hier erkrankten – und wollten rechtzeitig Verbündete suchen, die uns unterstützen würden, Betroffene zu stärken und zu stützen. Das war der Anfang der Deutschen AIDS-Hilfe.
Als mein Vater 1986 starb und uns Kindern ein beträchtliches Vermögen hinterließ, war mir schnell deutlich, dass ich dieses Geld nicht nur für mich haben wollte. Da ich inzwischen die ersten Menschen mit HIV kennengelernt und erfahren hatte, in welche auch materielle Not die meist jungen Männer durch ihre Infektion gerieten, kam ich zusammen mit Freundinnen und Freunden auf den Gedanken, eine Stiftung zu gründen, die Menschen mit HIV zumindest finanziell unterstützt und ihnen Dinge ermöglicht, die sie sich nicht leisten konnten. Es darf nicht vergessen werden, dass Menschen mit HIV damals eine sehr kurze Lebenserwartung hatten.
Warum ist die Stiftungsarbeit nach wie vor wichtig?
AIDS ist nach wie vor eine Krankheit, die ausgrenzt und zur Verarmung führt – weltweit, aber auch in Deutschland. Daran hat sich auch durch die verbesserte therapeutische Situation nichts geändert. Allerdings sind heute andere Themen wichtiger geworden, die zum Überleben gehören – vor allem Arbeit und Wohnen. Dabei ist es nicht nur wichtig, den einzelnen in ihrer Situation direkt zu helfen, sondern Projekte zu initiieren und zu fördern, die Gruppen Betroffener zusammenführen.
Warum sollten Menschen die Stiftung durch Zustiftungen, Vermächtnisse oder Erbschaften bedenken?
Ich halte es nach wie vor – auch sozusagen für das eigene Seelenheil – für wichtig, Vermögen, das man hat, an andere weiterzugeben, die es nicht so gut haben. Wer jemals persönlich das Schicksal Infizierter miterlebt hat, wird erkennen, dass es nach wie vor wichtig ist, diese Menschengruppe finanziell zu unterstützen.
Wie gelang es der Stiftung im vergangenen Jahr, das Thema AIDS ins öffentliche Bewusstsein zu bringen?
Neben den vielen großartigen Galas, die AIDS vielen Menschen nahebringen, halte ich nach wie vor die gemeinsame Präsentation von der Deutschen AIDS-Stiftung, der Deutschen AIDS-Hilfe und DAH der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zum Welt-AIDS-Tag mit den prominenten Unterstützern und Unterstützerinnen für die wichtigste öffentlichkeitswirksame Darstellung: Nur gemeinsam werden wir es schaffen, AIDS zu normalisieren.
Wir im Social Web
YouTube
Facebook
Twitter
Studi-VZ
Wer kennt wen
mehr Informationen