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Projekte für Migrant/innen

Migrantinnen und Migranten sind in Deutschland im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung überproportional oft von HIV-Infektionen betroffen. Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zufolge stammte im Jahr 2007 etwa jeder sechste HIV-Infizierte in Deutschland ursprünglich aus sogenannten Hochprävalenzregionen, Ländern, in denen das Virus besonders verbreitet ist. Mangel an Informationen, fehlende Bildung, die Tabuisierung von Themen wie Sexualität und Krankheit, aber auch Skepsis gegenüber staatlichen Einrichtungen erschweren Zuwanderern jedoch häufig den Zugang zum deutschen Gesundheitssystem und zu Beratungs- und Präventionsangeboten. Diese Benachteiligung im Hinblick auf die gesundheitliche Versorgung trifft HIV-positive und an AIDS erkrankte MigrantInnen besonders hart. Oftmals wird ihre Infektion oder Krankheit erst in einem fortgeschrittenen Stadium festgestellt und daher erst spät behandelt. Durch die Erkrankung geraten Betroffene nicht selten in materielle Not – diese Tatsache macht sich nicht zuletzt in der steigenden Zahl der im Ausland geborenen Mitbürger bemerkbar, die die Deutsche AIDS-Stiftung um Hilfe bitten. Aus 122 Ländern stammen die inzwischen in Deutschland heimisch gewordenen Antragsteller.

Um ihnen diese Ängste zu nehmen und die Community für das Thema HIV/AIDS zu sensibilisieren sind neue Aufklärungsstrategien nötig, die die kulturellen Hintergründe der Zuwanderer berücksichtigen und sie aktiv bei der Präventionsarbeit miteinbeziehen. Aus diesem Grund unterstützt die Deutsche AIDS-Stiftung zahlreiche Hilfsprojekte, die die Beratung, Begleitung und Gesundheitsförderung von Migranten zum Ziel haben. Projekte wie die Weltküche in Berlin und das Afrika Projekt des Gesundheitsamtes in Bremen stärken das Selbsthilfepotential von Betroffenen und bieten vielen ausländischen Mitbürgern eine Anlaufstelle, wo sie sich über AIDS informieren und beraten lassen können.

Afrika Projekt in Bremen

Seit 2004 gibt es das Afrika-Projekt des Gesundheitsamtes Bremen. Es richtet sich an Frauen und Männer aus Sub-Sahara Afrika, die in Bremen leben. Dazu gehören Flüchtlinge, Studierende, Menschen, die legal in Deutschland leben, Papierlose, Afrikaner in binationalen Beziehungen, Menschen, die im Rahmen der Familienzusammenführung nachgekommen sind, sowie Kinder und Jugendliche dieser verschiedenen Gruppen. Eine weitere Zielgruppe sind Ärzte und Gesundheitspersonal, die mit afrikanischen HIV-infizierten Patienten arbeiten.

Leiter des Projektes ist Robert Akpabli, aus Togo gebürtiger Biologe mit Erfahrungen im Gesundheitsmanagement. Zu den Zielen des bis 2011 angelegten Projektes gehören die Begleitung und Betreuung von Menschen mit HIV und AIDS aus Afrika, der Aufbau eines Netzwerkes, Intensivierung der Präventionsarbeit, die Erleichterung des Zugangs zu Versorgungs-, Beratungs- und Präventionsangeboten für HIV-infizierte und aidskranke Menschen, Initiierung einer Selbsthilfegruppe sowie Stabilisierung der Beziehungen zum Gesundheitswesen. Im Rahmen der Präventionsarbeit wurden beispielsweise Fortbildungen für afrikanische Gruppen, Studierende und Kirchengemeinden angeboten. Mitglieder der Community werden zu Beratern und Multiplikatoren ausgebildet, da diese sehr gut mit der Kultur ihrer Landsleute vertraut sind. Die Deutsche AIDS-Stiftung bewilligte in 2007 rund 15.000 Euro für das Projekt.

Weltküche in Berlin

Internationale Küche für die Völkerverständigung -  diesem Motto gemäß kochen in Berlin HIV-positive Migranten und Deutsche gemeinsam. Das Kiezcafé und der Catering-Service bieten ihnen eine Arbeitsmöglichkeit und somit einen (Wieder-) Einstieg in das Berufsleben (siehe auch Arbeits- und Versorgungsprojekte). Ergänzt wird das Qualifizierungs-Projekt durch eine Beratungsstelle, in der geschulte Zuwanderer anderen Betroffenen zur Seite stehen. Die Weltküche ist ein Pilotprojekt, das Weichen für langfristig wirksame Perspektiven dieser Personengruppe und ihre Integration in die Gesellschaft stellt. Die Stiftung fördert das Projekt seit 2002, zuletzt in 2006/2007 mit 26.100 €. Dieses Geld diente zum einen zur Zahlung eines Teils der Restaurant-Miete und zum anderen zur Einrichtung von Minijobs für die bisher ehrenamtlich in dem Projekt arbeitenden Migranten. Träger ist die positive Aktion.

“Pick it up!” - Präventionsspots

Eine von der AIDS-Hilfe Köln e.V. initiierte Gruppe afrikanischer Migrantinnen und Migranten entwickelte einen Präventionsspot speziell für die eigene Community und setzte die Idee filmisch um. Ergebnis des Produktionsprozesses ist Prävention im Filmformat: Die DVD zum Projekt “Pick it up!“ enthält den Präventionsspot “Colors & Faces“ (2 min) sowie ein ausführliches Making Of (15 min), das einen Blick hinter die Kulissen des Filmprojektes und viele Statements der beteiligten Migrantinnen und Migranten zu HIV/AIDS bietet. Weitere Inhalte der dreisprachigen DVD (Deutsch, Englisch, Französisch) sind der Informationsfilm des Schweizer Bundesamtes für Gesundheit “Love Life Stop AIDS“ (12 min; in je einer Fassung für Männer und Frauen) sowie Begleittexte mit Informationen zu HIV/AIDS und sexuell übertragbaren Krankheiten. Darüber hinaus finden sich auf der DVD für Migrantinnnen und Migranten hilfreiche Kontaktadressen rund ums Thema HIV/AIDS.

Informationen über die Bestellung der DVD und den Spot selbst finden Sie hier