Formen betreuten Wohnens in einer Einrichtung werden für viele Betroffene immer wichtiger. Die verbesserten medizinischen Therapien sind lebensverlängernd, bedingen aber auch dauerhafte körperliche und seelische Erkrankungen, bzw. Einschränkungen. Aufgrund des weiterhin großen Stigmas, dass mit dieser Krankheit verbunden wird, isolieren sich aidskranke Menschen oft stark und vereinsamen. Es kommt zu Verschuldungssituationen und Überforderungen bei der Bewältigung des Lebensalltages. Wohnen in der eigenen Wohnung ist dann für viele Betroffene nicht mehr möglich. Wohnprojekte für Menschen mit HIV und AIDS bieten den betroffenen Menschen die Möglichkeit, sich sozial wieder zu integrieren. Die angebotene psychosoziale Beratung hilft bei der Planung und Gestaltung des Tagesablaufes, der Haushaltsführung und bei der Wiederaufnahme sozialer Beziehungen.

Als ein „Zeichen, dass wir an die Zukunft glauben“ bezeichnete Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann anlässlich der Grundsteinlegung das neue Wohnprojekt der Deutschen AIDS-Stiftung ´Positiv wohnen´ gGmbH und der Aidshilfe Köln. Er wünschte dem Bau, der ja ein langfristiges Projekt sei, alles Gute. Minister Laumann, Jeane Freifrau von Oppenheim, Kuratoriumsvorsitzende der Deutschen AIDS-Stiftung, Dr. Christoph Uleer, Vorstandsvorsitzender der Stiftung und Elfi Scho-Antwerpes, Bürgermeisterin der Stadt Köln, mauerten gemeinsam die Metall-Kassette mit Informationen zum Haus im Grundstein ein. Baronin von Oppenheim, die im Herbst 2008 mit der sehr erfolgreichen Benefiz-Kunstauktion „Art Against AIDS 2008“ auf dem Passagierschiff MS RheinEnergie 420.000 Euro zugunsten des Wohnprojektes erlöste und damit den finanziellen Grundstock für das Projekt bereitstellte, bedankte sich für die Großzügigkeit der Künstler, die die Werke gespendet hatten, sowie bei dem Team um Auktionator Simon de Pury vom Auktionshaus Phillips de Pury & Company. Elfi Scho-Antwerpes lobte die gute Kooperation mit der Nachbarschaft, bei der man auf ein offenes Ohr gestoßen sei.
In dem Wohnprojekt sollen Menschen mit HIV und AIDS ein neues betreutes Zuhause finden. Dr. Ulrich Heide, geschäftsführender Vorstand der Stiftung, wies noch einmal auf den steigenden Betreuungsbedarf von Menschen mit HIV und AIDS hin. Menschen, die an zum Teil schwerwiegenden Nebenwirkungen der Therapie litten, seien zunehmend auf Betreuungsangebote angewiesen.
Für alle neun Wohnungen, die in dem 450 Quadratmeter großen Haus an der Neusser Straße 675 in Köln-Weidenpesch entstehen sollen, gibt es bereits Anfragen. Bauherr ist die Deutsche AIDS-Stiftung `Positiv wohnen´ gGmbH, Betreiber die Aidshilfe Köln, deren Beratungs- und Unterstützungsangebot die Bewohner dort nutzen können. Das Wohnprojekt richtet sich an alle diejenigen, die ihren Alltag nicht mehr allein meistern können und die konkrete Unterstützung und Begleitung benötigen. Die Wohnprojekte als geschützter Raum bieten den Betroffenen die Möglichkeit, sich sozial wieder zu integrieren und neue Kontakte herzustellen. Im günstigsten Fall verhelfen Betreuung und Stabilisierung den Bewohnern zu wieder gewonnener Eigenständigkeit.
In Nordrhein-Westfalen, wo mit rund 14.000 von rund 63.500 Betroffenen in ganz Deutschland die meisten HIV-infizierten Menschen leben, entsteht nun mit dem Kölner Neubau nach einem Haus in Essen bereits ein weiteres von der AIDS-Stiftung gefördertes Wohnprojekt.
Die Stiftung benötigt zur langfristigen Sicherung des Wohnprojektes zahlreiche Spenden oder Zustiftungen. Träger des Wohnprojektes, das Menschen mit HIV und AIDS, die nicht mehr alleine leben können, ein neues, betreutes Zuhause bietet, ist die AIDS-Hilfe Köln e.V.
Durch das Wohnprojekt Neusser Straße soll das Angebot des ambulant betreuten Wohnens in Köln für Menschen mit Behinderungen in Folge ihrer AIDS-Erkrankung ausgebaut und optimiert werden. Es schließt eine Lücke zwischen Betreuungen in örtlich separaten Einzelwohnungen und ambulant betreuten Wohngruppen im Lebenshaus und am Sandweg. Die AIDS-Hilfe Köln möchte durch die Benennung den Einsatz von Jean-Claude Letist würdigen, der sich bereits in den achtziger Jahren für Menschen mit HIV und AIDS eingesetzt hat.
Das Konzept der betreuten Hausgemeinschaft dient dazu, soziale Isolation zu vermeiden, Selbsthilfepotentiale zu ermöglichen und die gesellschaftliche Wiedereingliederung zu trainieren. Die vergleichbare Lebenssituation der Bewohner/innen gibt ihnen die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und zu gegenseitiger Unterstützung. Betreutes Wohnen schafft einen geschützten Raum, in dem ohne Scham und Angst vor Ablehnung Kontakt aufgenommen werden kann. Es werden Aktionen und Projekte zur gemeinschaftlichen Gestaltung von Freizeit angeboten. Gleichzeitig ermöglicht die Hausgemeinschaft persönlichen Rückzug und individuelle Lebensgestaltung.

Die AIDS-Hilfe Essen reagierte mit der Realisierung des Wohnprojektes Günter-Fischer-Haus auf den zunehmenden Bedarf in diesem Bereich. So wurde in der Varnhorststraße 19 in unmittelbarer Nachbarschaft der AIDS-Hilfe das Projekt „Leben und Wohnen für Menschen mit HIV und AIDS“ verwirklicht. Nach sechsmonatiger Umbauzeit konnten die Stiftung und die AIDS-Hilfe Essen am 26. Januar 2007 das erste Wohnprojekt dieser Art im Ruhrgebiet offiziell eröffnen. Innerhalb des geschützten Rahmens des Günter-Fischer-Hauses, das neun Bewohnern Platz bietet, lernen die Betroffenen, Kontaktbarrieren zu überwinden und offen auf andere zuzugehen. Das Projekt unterstützt sie bei der individuellen Basisversorgung, der Haushaltsführung, der Gestaltung sozialer Beziehungen sowie der Tagesgestaltung und gibt Hilfestellungen im psychosozialen Bereich. Durch die Nachbarschaft zur AIDS-Hilfe Essen profitieren die Bewohner von den Angeboten der Einrichtung, etwa dem Café und verschiedenen Gruppenangeboten. Innerhalb von drei Jahren sollen die Bewohner befähigt werden, wieder in eine eigene Wohnung umzuziehen. Die Deutsche AIDS-Stiftung stellte insgesamt über 300.000 Euro für Kauf und Umbau des Essener Wohnprojektes zur Verfügung.
Das erste von der Stiftung geförderte Wohnprojekt liegt in der Reichenberger Straße in Berlin. Es bietet 23 Bewohnern, die Unterstützung bei der Einrichtung der eigenen Wohnung, beim Aufbau eines sozialen Netzes, bei der Haushaltsführung und der Alltagsstrukturierung benötigen, Platz in behindertengerecht ausgestatteten Appartements. Im Besuchercafé „Orangerie“ können Bewohner und Nachbarn die Möglichkeit nutzen, Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen. Außerdem erhalten HIV-infizierte Menschen dort eine gesunde und preiswerte Mahlzeit. Wichtig bei diesem Projekt ist auch, eine weitgehende Autonomie der Bewohner zu gewährleisten. Tatsächlich kann ein Drittel von ihnen das Haus innerhalb eines Jahres wieder verlassen.